Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland  Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland  Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland  Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland  Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland  Wissenswertes über die Nordseeinsel Helgoland
Nur wer nicht in der Zeit, sondern in der Gegenwart lebt, ist glücklich.
( Ludwig Wittgenstein )

Kurzfassung

690 flieht der Friesenkönig Radbod vor Pipin nach Helgoland.
768 tauft der heilige Liudger die ersten Helgoländer.
1400 machen Seeräuberflotten die Nordsee unsicher.
1402 wird Störtebeker vor Helgoland von den Hamburgern besiegt und in Hamburg geköpft.
1496 nehmen die Bremer Besitz von der Insel und errichten eine Handelsniederlassung auf dem Unterland.
1497 fallen die Hamburger, Bremer, Stader und Dithmarscher gemeinsam über Helgoland her.
1539 wird die Festung Helgoland errichtet, "weil man sich befürchtet, daß frembde Volcker, so im Hadeler Landt sich gesammelt, würden in Holstein einbrechen".
1545 wird der Seeräuber Wieben Peter mit seinem Bruder von seinen Dithmarscher Landsleuten in der Helgoländer Kirche erschossen.
1565 wolte Herzog Adolf die Insel verkaufen, doch niemand wollte sie haben.
1609 wurde eine neue Kirche mitten aufs Land gesetzt, weil die alte vom Felsen abzustürzen drohte.
1630 wird die erste Feuerblüse errichtet.
1672 errichtet die Hamburger Admiralität ein neues Leuchtfeuer auf der Insel.
1684 besetzt Dänemark die schleswig - gottorpsche Insel Helgoland, muß sie aber 1689 zurückgeben.
1714 Dänemark besetzt die schleswigsche Festung Helgoland und vertreibt die Schleswiger endgültig.
1719 wird das erste und einzige Todesurteil auf dem Oberland vollstreckt. Der Scharfrichter Henning aus Glückstadt köpft Mariecke Peters, die ihre Nachbarin mit der Mistforke durch die Gurgel gestochen hat.
1720 In der Silvesternacht bricht die Landverbindung zwischen Felsen und Düne endgültig durch.
1807 kommt die englische Flotte von Kopenhagen zurück und ergreift von der jetzt dänischen Insel Helgoland Besitz.
1810 Die Kontinentalsperre Napoleons macht Helgoland zum zentralen Ort des Schleichhandels und der Spionage. Fremde Kaufleute gründen die Helgoländer Handelskammer, die sich nach dem Fall Napoleons wieder auflöst. Einige Helgoländer verdienen großes Geld, die Mehrheit der Bevölkerung bleibt arm.
1826 Gründung des Nordseebades Helgolandes Helgoland durch den Schiffszimmermann und Schriftsteller Jacob Andresen Siemens.
1841 Deutsche Nationalhymne schrieb Heinrich Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland.
1868 werden alle Helgoländer Privilegien aufgehoben, die Ratsverfassung abgeschafft und die Alleinherrschaft der britischen Krone proklamiert.
1890 Einverleibung Helgolands in den deutschen Staatsverband im Austausch gegen die Insel Sansibar.
1914 Die Festung Helgoland wird von Zivilisten geräumt.
1936 Durch Geheimbefehl Hitlers wird Helgoland wieder zur Festung erklärt.
1945 Evakuierung der Zivilbevölkerung.
1947 18. April wird auf Helgoland die größte Einzelsprengung der Weltgeschichte durch die britische Marine ausgelöst; anschließend Bombardierung durch die Royal Airforce.
1950 Am 20. Dezember besetzen zwei Studenten Helgoland und setzen die Europafahne.
1952 Am 01. März wird Helgoland an Deutschland zurückgegeben. Der Wiederaufbau beginnt.
© unbekannt

Langfassung

Der Geologische Aufbau

Der Helgoländer Felsen hat sich in der Trias gebildet. Sie ist die älteste Formation des Erdmittelalters und umfasst Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Ihre Wachstumsperiode wird auf 45 Millionen Jahre geschätzt, ihre Entstehung auf die Zeit vor 220 Millionen Jahren. Der Buntsandstein ist von verschiedenen Ton-, Mergel und Sandschichten durchzogen, die dem Helgoländer Massiv sein eigenes unverwechselbares Gepräge geben. Die Gesamtmächtigkeit dieser Schicht beläuft sich auf 700 Meter und ruht auf einem Zechsteinsalzlager, welches selbst eine Mächtigkeit von über 2000 Metern hat.

In der annähernd gleichen Zeit, als sich im Süden die Alpen bildeten, kam es auch auf der nördlichen Halbkugel unserer Erde zu großen Veränderungen der Erdoberfläche. Die Erdkruste brach und schob sich im Gebiet von Helgoland auf einer Breite von acht Kilometern und einer Länge von vier Kilometern schräg übereinander. Es entstand ein Buntsandsteingebirge, dessen Bestand im Laufe von Jahrmillionen bis auf die heutige Winzigkeit zusammenschrumpfte.

Das Alter Helgolands und seine Entstehung werden mit 70 Millionen Jahren in die Tertiärzeit datiert. Der Inselbesucher begegnet also erdgeschichtlichem Altgestein, welches beim Auftauchen aus den Tiefen der Erde von den darüber liegenden Kreideschichten bedeckt war. Sie wurden in den vier Eiszeiten, die Europa überzogen, abgehobelt und führten zur Bildung einer Doppelinsel. Die eine bestand aus Buntsandstein, der heutigen Hauptinsel, die andere aus Kreide, die bis in das vorige Jahrhundert hinein von den Helgoländern noch als Witte Kliff (Weißer Felsen) bezeichnet wurde.

Von diesem Witten Kliff ist heute nur noch das Sandgebiet der Düne übriggeblieben. Allein in der Zeit von 1800 bis 1900 ging der Hochwasserspiegel der Düne von 30 auf 8,5 Hektar zurück und war im Jahre 1936 bereits so zusammengeschmolzen, daß die Sturmflut des gleichen Jahres die Düne voll überrollte. Im Jahre 1938 wurde mit der Aufspülung der Düne begonnen. Ihre Größe beträgt heute 70,2 Hektar. Eine Sicherung der Nord und Südstrandregionen ist jedoch bisher nicht gelungen. In jedem Spätherbst, wenn die Nordseestürme toben, werden große Sandmengen unwiederbringlich ins Meer gespült. Im Jahre 1973 waren es allein am Südstrand 200000 Kubikmeter. Für die kommenden Jahre ist vorgesehen, dauerhafte Schutzmaßnahmen durchzuführen, für die Millionenbeträge aufgewendet werden müssen.

Helgoländisch,

eine friesische Sprache, dem Friesischen der Nordfriesischen Inseln, vor allem Amrums, sehr verwandt. Helgoländisch wird heute noch von vielen Insulanern gesprochen. Es handelt sich dabei nicht, wie oft angenommen wird, um eine niederdeutsche Mundart, sondern um eine eigene westgermanische Sprache.

Helgoland, die Ferieninsel

Die große Sprengung.

Helgoland ist nicht mehr das, was es früher war. Der zweite Weltkrieg hat vom alten, durch Jahrhunderte kontinuierlich gewachsenen friesischen Fischerdorf nichts übrig gelassen. Viele Angriffe hat die Insel erlebt. Der furchtbarste fand am 18. April 1945 statt. Er leitete die gesamte Räumung der Insel ein. Ein Jahr später begannen die Siegermächte auf der gleichen Route, die jetzt von friedlichen Seebäderschiffen befahren wird, mehrere tausend Tonnen Sprengstoff übers Wasser zu schaffen, um die größte Sprengung der Weltgeschichte vorzubereiten. Die Insel sollte völlig vernichtet werden. Am 18.Apri1 1947 wurden etwa 6700 Tonnen Sprengstoff zur Explosion gebracht. Ein 2500 Meter hoher Rauchpilz schoß empor. Der Fels widerstand der Sprengung, aber er hatte seine Form verändert. Das flache Oberland hatte sich in eine Hügellandschaft verwandelt. Aus der Südspitze des Felsens war der Mittellandtrichter herausgesprengt.

Fünf Jahre eines grausamen Bombardements mitten im Frieden folgten. Am 20. Dezember 1950 erfolgte eine Invasion der beiden Heidelberger Studenten Rene Leudesdorf und Georg Hatzfeld. Sie hißten auf dem menschenleeren Felsen die Europafahne und brachten eine Lawine der Demonstration ins Rollen, die zur Freigabe der Insel führte. Am 1. März 1952 war es soweit. Der Wiederaufbau begann. Eine ganze Ortschaft wurde eingeebnet, neu geplant und aufgebaut. Die Helgoländer kehrten zurück. Ihnen folgten die Gäste. Erst wenige, dann immer mehr. Im Jahre 1973 waren es rund 800000 Besucher, die ihren Inselbummel machen konnten.

Die Ortschaft

ist ein klug angelegtes, nach den Windverhältnissen ausgerichtetes System von engen Gassen und Straßen. Die Häuser sind niedrig gebaut. Mancher Gast mag sich darüber wundern, dass sein Gästezimmer schräge Wände hat. Es handelt sich um einen Umstand, der sich aus jener Überlegung ergab, ob man Helgoland nach 1952 im Florida-Stil hoch hinaus bauen wollte, oder ob Helgoland seinen altfriesischen Charakter in einem modernen Kleid behalten sollte. Man entschied sich für die letztere Lösung. Bedeutend aber ist die Tatsache, dass sich alle Gewerbebetriebe außerhalb der Ortschaft befinden und damit absolute Kurruhe garantiert ist.

Das Unterland

wird beherrscht von der Fassade des Südstrandes und der Landungsbrücke. Hier legen die Borteboote an und bringen den Gast an Land. Von hier aus starten Inselrundfahrten, Angelfahrten und die Dünenfähre. Bei der Rückreise findet hier im Sommer die Zollkontrolle statt. Der Besucher geht von hier aus links zum Hafen und rechts zum Nordostland mit den Kureinrichtungen.

Das Oberland.

Nach dem Wiederaufbau hat das Oberland drei Zugänge: Den Düsenjägerweg im Osten, den Invasorenpfad im Südwesten und den traditionellen Treppenweg mit dem Fahrstuhl. Er hat eine eigene Geschichte. Sie ist eng mit der Modernisierung des Bades verbunden und beginnt im Jahre 1885, wo auf Anregung finanzkräftiger Inselgäste eine Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, um die alte Treppe zu entlasten. So entstand die "Lift Company of Helgoland" mit dem ersten Aufzug zum Oberland. So gut sich dieses Werk auch anließ, kam es doch bald zu Schwierigkeiten. Rings um den Fahrstuhl verkümmerte der Bewuchs, und der entweichende Dampf aus der Kompressionsanlage, die den Fahrstuhl in Betrieb hielt, puffte auf die Treppe hinaus und nebelte die Passanten ein. Kein Wunder also, dass dieses dampfende Unikum im Jahre 1902 versteigert werden musste und in den Besitz der Gemeinde überging. Die Helgoländer Lift GmbH entstand und florierte, was sich bis heute nicht geändert hat.

Das Nordostland

hat es bis zum Jahre 1938 überhaupt noch nicht gegeben. Es ist künstlich geschaffenes Neuland und Teil eines großen Landgewinnungsplanes, der bis 1942 fortgeführt und dann abgebrochen wurde. Es war bis 1945 Festungsgelände. Nach dem Wiederaufbau wurde hier das Helgoländer Kurzentrum geschaffen. Es gliedert sich in das Kurmittelhaus, das berühmte fernbeheizte Meerwasser - Freischwimmbad, die Nordseehalle und zwei Sportanlagen. Ferner befinden sich dort das Kraftwerk, die Biologische Anstalt, ein Studentenwohnheim und eine Jugendherberge, die mit zu den landschaftlich am schönsten gelegenen Jugendhäusern Deutschlands gehört.

Die Helgoländer Kirche

hat ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Sie gibt Zeugnis einer Entwicklung vom nordischen Heidentum über die erste Christianisierung durch die Friesenmissionare Willibrord und Liudger bis zur zweiten Christianisierung, durch welche die Helgoländer zu einer rein protestantischen Gemeinde wurden und bis heute geblieben sind. Der katholische Glaube hat erst um die Jahrhundertwende auf der Insel Fuß gefasst. Seitdem leben beide Konfessionen in beispielhafter Brüderlichkeit miteinander. Bis zur Einweihung der ersten katholischen Kirche teilten sich beide Konfessionen in der Benutzung der evangelischen Kirche auf dem Oberlande. Diese Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihren Standort wechseln müssen, weil sie immer wieder vom Absturz ins Meer bedroht wurde. So musste ihr Standort immer weiter in die Mitte des Oberlandes gelegt werden. Von der ersten Heidenbekehrung erzählt die Sage, dass auch der Friesenkönig Radbod in der Lapskuhle, einem Süßwasserteich auf dem Oberlande, getauft werden sollte. Wenn er sich taufen ließe, käme er in den Himmel. Als Radbod fragte, wo denn seine Vorfahren seien, und die Antwort bekam, in der Hölle, zog Radbod den Fluss zurück und sagte: " Dann will ich lieber bei meinen Vorfahren bleiben !" und ließ sich nicht taufen. Die Helgoländer Kirchen sind sehenswert. Beide vertreten einen ausgesprochen modernen, jedoch in sich völlig verschiedenen Baustil von ungewöhnlicher Aussagekraft.

Die Wetterwarte

ist die letzte und einzige sogenannte "Augenstation" in Europa. Von hier aus werden die Wettermeldungen und Sturmwarnungen, die den Festländer über Radio und Fernsehen in der warmen Stube erreichen, an die zuständigen Stellen weitergegeben. Präzision und Wachsamkeit der Mannschaft entscheiden in solchen Perioden über viele Menschenleben. Und wer glaubt, daß die Wetterfrösche sich langweilen, mag ruhig einmal hinaufsteigen in die Station und sich Satellitenfotos aus dem Weltall zeigen lassen. Auf Helgoland ist das alles drin.

Die Erdbebenstation

auf dem Oberland ist weitgehend unbekannt. Sie mußte bisher hinter den weit bekannteren wissenschaftlichen Instituten, der BIO und Vogelwarte, zurückstehen. Sie ist in den Kellerräumen der Schule untergebracht. Drei Erdbebenaufnehmer für die Nordsüdbewegung, die Westostbewegung und die Vertikalbewegung, drei Registriergeräte für seismische und mikroseismische Bodenunruhen, ein Satz Fernbebeninstrumente für große internationale Forschungsvorhaben über den tektonischen Aufbau der Erdkruste und eine Weltzeituhr (Erdbebenuhr) bilden den technischen Bestand dieser erstaunlichen Station. Die Weltzeit ist die Zeit des Meridians von Greenwich Weltzeit 12 Uhr = Mitteleuropäische Zeit 13 Uhr. Das Institut für Geophysik der Universität Kiel hat die Aufsicht über die Erdbebenstation Helgoland. Der Erdbebenwart ist der Helgoländer Heinz Herzog. Was die Erdbebenwarte Helgoland aber auch für den allgemein interessierten Inselbesucher so spannend macht, ist folgendes: Auf Helgoland steht einer der wenigen, über den ganzen Erdball verteilten Einsteinschen Gravimeter, mit welchem die mit Ebbe und Flut des festen Erdkörpers verbundene periodische Schwankung der Schwerebeschleunigung unserer Erde gemessen wird.

Der Südhafen

wurde in der Zeit von 1908 -1916 von der Kaiserlichen Marine als Kriegshafen erbaut und hat rund 50 Millionen Goldmark gekostet. Um das Land zwischen den Molen aufzuspülen, wurden 4,5 Millionen Kubikmeter Sand vom Meeresboden gehoben. Auf diesem Gebiet sind heute die Helgoländer Gewerbebetriebe untergebracht. Darunter eine private Schiffswerft und eine moderne Großbäckerei, die täglich bis zu 16000 Brötchen und mehr als eine Tonne Schwarzbrot für den Frühstückstisch der Gäste herstellt.

Die befriedete Wasseroberfläche umfaßt drei Becken mit einer Gesamtfläche von 20 Hektar. Der Ortschaft am nächsten liegt der "Scheibenhafen". Er ist Liegeplatz für die Versorgungsschiffe, für die insulare Kutter und Börteflotte sowie der kleinen Forschungsschiffe der Biologischen Anstalt Helgoland. Über den Scheibenhafen werden alle Bedarfsgüter Helgolands eingeführt. Auf der Außenpier befinden sich das Zollamt und die Gepäckabferigung.

Der Außenhafen

ist der Liegeplatz von Fahrzeugen der Bundesmarine. In neuester Zeit aber ist an der Ostmole ein Jachthafen eingerichtet worden, der seine Bewährungsprobe noch bestehen muß. Bevor sich der Gast nach rechts wendet, sollte er einen Blick auf den Tonnenhof des Wasser und Schiffahrtsamtes werfen. Dort kann er aus nächster Nähe die zum Teil gewaltigen Tonnenkörper bewundern, die, von Bord eines Schiffes aus betrachtet, sich im Wasser so winzig klein ausnehmen.

Rettungskreuzer "Adolph Bermpohl",

ständig auf der Insel stationierter Rettungskreuzer. Rettete viele Seeleute aus Seenot. In den Februarstürmen von 1966 verunglückte das Boot, wobei die vierköpfige Besatzung und drei holländischen Seeleute ertranken. Das Boot überstand das Unglück fast ohne Schaden und konnte bald wieder eingesetzt werden.

Anker und Kanonen

aus der großen Zeit der Windjammer und Galeeren, der Kauffahrer und Piraten, die sich rund um Helgoland ihre Gefechte lieferten oder vom Sturm auf die Klippen getrieben und zerschlagen wurden, finden sich auf dem Tonnenhof. Von versteinerten Muscheln überwuchert, bieten sie dem Beschauer einen merkwürdigen Anblick. Solche Funde werden rund um Helgoland häufig gemacht und stehen auch innerhalb der Ortschaft am Südstrand und an der Nordseehalle im Freigelände.

Der Klippenrandweg

ist wohl der schönste Wanderweg, den eine Insel der Nordseeregion überhaupt zu bieten hat. Der Gast umwandert die Oberlandpartie in einer guten Stunde ohne jede Eile und genießt aus rund 50 Metern Höhe eine herrliche Aussicht auf eine unvergleichliche Naturlandschaft. Er führt an der zerklüfteten Westseite entlang zum berühmten Lummenfelsen, der einzigen Brutstätte dieses Alkenvogels in dieser südlichen Region. Der Lummenfelsen steht unter Naturschutz. Der Weg gibt Ausblicke in tiefe Felsschichten frei und führt in vielen romantischen Windungen direkt zur Langen Anna, dem Wahrzeichen der Insel Helgoland. An der Nordspitze ist das Aussichtsplateau neu ausgebaut worden und ist ein beliebter Treffpunkt der Naturfreunde und Fotofreunde. Hier erlebt der Gast unvergessliche Sonnenuntergänge in herrlicher Farbenpracht.

Von der Langen Anna geht der Wanderer an der Nordostklippe entlang. Er erlebt hier bei Niedrigwasser den Blick auf die berühmte nördliche Abrasionsfläche mit den gewaltigen, in den letzten Jahren ins Meer gestürzten Felsmassen, die häufig von Geologen aufgesucht werden, weil die zerschmetterten Buntsandsteinschichten einen interessanten Einblick in die erdgeschichtliche Entwicklung geben. Dies ist auch für allgemein interessierte Gäste ein lohnendes Objekt. An der Westklippe wurden auf diese Weise bereits wichtige Funde von einem Wirbelknochen und einem Schädel eines Sauriers gefunden.

Die Helgoländer.

Kein Helgolandbesuch ohne den direkten Kontakt mit den Einwohnern, von denen es dreitausend gibt. Helgoland ist eine evangelisch-lutherische Gemeinde, in welcher 152 Katholiken ansässig sind. An Tagen, wo Taufen oder Hochzeiten sind, gehen die Frauen und Kinder in ihren alten Trachten durch die Ortschaft. Diese altfriesischen Trachten gehören mit zu den schönsten in Deutschland. Sie sind ein Ausdruck der Besonderheiten, die sich auch im wesen der Einwohner ausdrücken. Hier ist es vor allem die sprichwörtlich gewordene, Schlagfertigkeit und der Witz der Helgoländer, den man sich nicht entgehen lassen darf. Hier einige Kostproben.

Beim Ein und Ausbooten werden in den Sommermonaten bis zu achttausend Gäste täglich befördert. Kinder und Greise sowie alle verfügbaren Zwischenjahrgänge. Einer alten Dame, die sich beim Ausbooten allzu ungeschickt benahm, den Bootsmann an der Windjacke erwischte und die Zähne zeigte, sagte der Schiffer freundlich: "Oma, Oma, alles kannst Du mit mir machen, aber wenn Du beißt, kommst Du in den Zwinger!"

Ein durstiger Fischer sitzt in der Kneipe und sagt mit wohlwollendem Blick zu einem Glas Bier, das er im Begriffe ist zu trinken: "Sieh man zu, daß Du jetzt da unten einen guten Platz bekommst, da gibt's nämlich gleich ein furchtbares Gedränge."

Eines Abends kommt ein angesäuselter Helgoländer leicht schwankend über den Trampelpfad vom Südhafen herüber. Als er mit seinem Biervorrat an der ersten Baracke vorbeikommt, ruft ihm jemand hinter einem erleuchteten Fenster zu: "He, Freund, hast Du eine Flasche übrig?" "Na klar", ruft der Angesäuselte zurück, zieht eine Flasche aus dem Rock und wirft sie durch das geschlossene Fenster in den Raum, dass die Scheiben fliegen. Der andere reagiert blitzschnell, greift nach einer leeren Bierflasche, feuert sie auf dem gleichen Wege seinem Maat an die Birne und schreit, "He, Boy, wenn Du es sooo eilig hast, dann nimm auch gleich das Leergut mit,"

Die Insulaner waren nicht immer auf Kulturimport vom Festland angewiesen. Von 1868 bis 1945 besaß Helgoland ein Kurtheater, das sich aus kleinsten Provinzanfängerl zu einem bedeutenden Residenztheater entwickelte. Der Charakterkomiker Wilhelmi gehörte zum Ensemble. Ihm wurde in dem Studentenstück "Sommerspuk" einmal von einem Verehrer der Requisitensekt mit echtem Champagner vertauscht. Als Wilhelmi seine Kommersbrüder in der Szene

pflichtgemäß unter den Tisch getrunken hatte und nun ganz allein mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anstoßen will, knallt der Propfen an den Plafond, der echte Sekt schießt hoch und der verdutzte Schauspieler hat Mühe, ihn zu bändigen. "Aaaahhh , .." reagiert das Publikum fröhlich, und Wilhelmi kontert geistesgenwärtig' "Habt Ihr etwa geglaubt, ich trinke auf Helgoland das teure Wasser?"

Das Meerwasser

an den offenen Stränden von Helgoland, sowohl an der Hauptinsel als an den Stränden der Badedüne, ist so sauber, wie an kaum einem anderen Strand entlang der Nordseeküsten von Dänemark bis an den Ärmelkanal. Die Heilkraft dieses von ständigen Strömungen des Meeres erneuerten Wassers ist seit alters her bekannt, Brandungsbäder für das allgemeine Konstitutionstraining, Gliedmaßenbäder nach Kneipp sowie Wassertreten zwischen den Gezeiten mit anschließender Lauf und Atemgymnastik am offenen Strand stärken Herz, Kreislauf und Atemwege. Für solche Gäste aber, die glauben, dass das Wasser der Nordsee wirklich viel kälter sei als das Wasser anderer Meere, bietet Helgoland einen besonderen Trost.

Der Golfstrom bestimmt ganzjährig das milde Klima.

Die klimatischen Bedingungen und die Wassertemperaturen im Gebiet um Helgoland werden wesentlich von der Nähe des Golfstromes bestimmt, der zwischen England und Helgoland nach Norden fließt und mit einem kleinen Arm entlang der Küste und um die Helgoländer Badedüne herum in Richtung Norden weiterzieht. Die Helgoländer kennen seit vielen Jahren keinen Winter mehr. Der Sommer mit seinen herrlichen Schönwetterperioden zieht sich bis weit in den späten Oktober hinein und beginnt fast ohne den üblichen Frühling bereits wieder im März. In der Zwischenzeit allerdings verändert die Natur oft ihr Gesicht. Schwere Stürme wühlen die Nordsee auf. Aus dem freundlichen Blau von Himmel und Meer wird ein gefährliches Grau in Grau. Dann wird die Insel in dieser tobenden Einsamkeit zur dunklen Kultstätte altfriesischer Geschlechter. Dann aber gibt es weit mehr Gäste auf der Insel, als man vermuten mag. Denn die Urgewalten der Natur im Hochsitz der Roten Klippe aus zu betrachten, ist ein so ungewöhnliches, einmaliges Erlebnis, daß es immer mehr Wintergäste anlockt.

Insel ohne Allergien.

Die ungewöhnlich reine Luft, auf dem Festland inzwischen Rarität geworden, ist ebenfalls nicht allein im Angebot geblieben. Unverfälschter Seewind und Pollenarmut haben die Insel berühmt gemacht. Allergiker aller Schattierungen bezeichnen die Rote Klippe als eine Oase der Gesundheit. Hier wurde um die Jahrhundertwende der Deutsche Allergikerbund gegründet, der alljährlich seine Hauptversammlungen hier abhält. Jetzt aber ist eine weitere Komponente hinzugekommen. Helgoland besitzt eine neue Meerwasserentsalzungsanlage, die täglich bis zu 800 t Trinkwasser produziert. Und zwar in einer solch hervorragenden Qualität, dass dem Inselgast das reinste -selbstverständlich auch ungechlorte -Trinkwasser der Bundesrepublik angeboten wird. Die Zeiten, wo man sich die Zähne auf Helgoland mit Mineralwasser putzen musste, sind endgültig vorbei .

Die Helgoländer Badedüne
Die Badedüne ist das Herzstück des Nordseeheilbades. Mit ihrer Existenz steht und fällt die Helgoländer Wirtschaft. Sie ist ausschließlich dem Tourismus vorbehalten und wird von ihm beherrscht. Aus welcher Richtung auch immer ein Seebäderschiff die Reede von Helgoland anläuft -immer gleitet der Blick hinüber zu jenem Sandhügel mitten im Meer, der ein besonderes und ganz eigenes Schicksal hatte.

Düne und Felsen waren in früher Zeit miteinander verbunden. Während sich die Düne dem heutigen Besucher als ein größtenteils künstlich aufgespülter Sandfleck darbietet, bestand sie damals noch aus einem rund 50 Hektar großen Inselgebiet, aus dem ein mächtiges weißes Kalkplateau herausragte, das genau so hoch war wie der Buntsandsteinfelsen. Aus dieser Zeit stammt der Name "Witte Kliff". Die Hamburger bauten diesen Kalk ab, transportierten ihn zum Festland und bauten damit ganze Stadtteile ihrer Hansestadt auf. Dieser Raubbau rächte sich. In der Silvesternacht des Jahres 1720/21 brach die letzte Landverbindung zwischen Felsen und Düne. Heute beträgt der Abstand eine Meile, und die Borteboote fahren eine Viertelstunde "hen oosten".

Nachdem im Jahre 1938 die künstliche Vergrößerung der Düne in Angriff genommen wurde, beträgt ihr Flächeninhalt nunmehr wieder 72 Hektar. Der Südstrand wird vom Dünenrestaurant beherrscht. Ein tiefgebauter Holzbau aus der Pionierzeit des Helgoländer Wiederaufbaus in einer herrlichen Naturlandschaft. Der Südstrand ist offizieller Badestrand und der einzige Südstrand der Nordsee. Der gegen überliegende Nordstrand ist ein Gebiet mit starker Brandung zwischen zwei weit ins Meer ragenden Molen. In seinem östlichen Teil ist der FKK-Strand untergebracht. Zwischen beiden Stränden liegt der Flughafen von Helgoland. Er umfasst zwei Startbahnen, einen Hangar und ein Abfertigungsgebäude mit Restaurant. Hier treffen sich täglich die Bewohner der Bungalowstadt, der Zeltstadt und des Campingplatzes. Alle drei Einrichtungen wurden ausschließlich für solche Gäste geschaffen, die einem Urlaub in freier Natur den Vorzug geben. Zwei idyllische Süßwasserseen, drei Kinderspielplätze, ein künstlicher Flachsee, ein Minigolfplatz und herrliche Wanderwege runden das Bild dieses Dünenparadieses.

Jonny's Hili

heißt der künstlich geschaffene Aussichtshügel. Von seiner Spitze aus ist die gesamte Düne zu überschauen. Ein Fernrohr ist montiert. Jonny's Hili ist von jedem Standort aus zu erkennen und zu erreichen.

Borte - Fährboote.

Die Badedüne ist nur mit den Fährbooten der Helgoländer Borte zu erreichen. Das Ansteuern fremder Boote zum Zwecke der Personenbeförderung ist nicht gestattet. Der Fährdienst läuft im Sommer vom frühen Morgen bis abends 
18 Uhr. Die Fahrkarten werden auf der Landungsbrücke ausgegeben. Nach 
18 Uhr verlieren diese Karten ihre Gültigkeit. Dann wird eine private Dünenfähre eingesetzt. Der Betrieb läuft bis Mitternacht. Im Fahrpreis der Dünenfähre ist die Nutzung der Strände und sonstigen Kureinrichtungen eingeschlossen.

Die Auskunftsstellen

auf der Düne findet man am Anleger und im Flughafengebäude. Die Feuerwehrstation ist direkt am Flughafen. Die Rettungsstationen der DLRG sind am Südstrand, am Nordstrand und am FKK-Strand stationiert. Die Rettungsmannschaften sind hervorragend ausgebildet und verfügen über modernstes Rettungsgerät.

Öffentliche hygienische Einrichtungen

der Düne befinden sich am Süd und Nordstrand. Sie bestehen aus einer Anzahl Toilettenanlagen, Kabinen und Süßwasserduschen. Ebenso befinden sich öffentliche Telefonzellen an beiden Stränden. Weitere Fernsprecheinrichtungen im Flughafenrestaurant, im Dünenrestaurant und in der Zeltstadtverwaltung.

Naturbeobachtungen auf der Düne

sind auch außerhalb der regulären Vogelflugzeiten möglich. An den Süßwasserseen leben verschiedene Entenarten und verschiedene Nistvögel. Die Düne ist Jagdgebiet für Kaninchen, die in großen Massen auf der Düne zu beobachten sind. Die Niederwildjagd ist nur den Helgoländer Jägern gestattet. Auch der Bundesjagdschein berechtigt den Gast nicht zur Jagd auf Helgoland. Dazu bedarf es einer Sondergenehmigung, die ausschließlich bei der Landesregierung Schleswig-Holstein beantragt und von dieser bewilligt werden kann. Während es vor einigen Jahren noch zu den Seltenheiten gehörte, einen Brutvogel auf Helgoland zu finden, ist deren Zahl wieder auf über 20 Arten angestiegen.

Der FKK-Strand

hat seine alten Grenzen gesprengt. Er zieht sich neuerdings über die Hälfte des Nordstrandes der Badedüne hin. Jung und alt nimmt dort Sonnenbäder und übt Freilicht-Gymnastik, die über den Rahmen der üblichen Ballspiele hinausgehen. Der Helgoländer FKK-Strand ist der erste Nacktbadestrand, der an der Nordsee eingerichtet wurde. Als am 1. Januar 1900 das Bürgerliche Gesetzbuch auch auf Helgoland eingeführt wurde, verloren die Helgoländer automatisch das alte Privileg, Fremdentrauungen im Stile von Gretna Green durchführen zu können. Sie sannen auf Rache, richteten dann neben den streng gehüteten Textilstränden (man ging damals noch mit "Frack und Zylinder" ins Bad) einen öffentlichen Nacktbadestrand ein und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Selbst die Vertrauten des Kaisers vermerkten die Eröffnung mit unverhohlenem Vergnügen.

Die Sportfliegerei

unterliegt gewissen Beschränkungen. Vor dem Anflug des Helgoländer Flughafens durch Privatmaschinen muss die Landeerlaubnis eingeholt werden. Auf Helgoland sind keine eigenen Sportflugzeuge stationiert. Der Flughafen ist Ausgangspunkt von Meisterschaften im Fallschirmspringen.

Der Friedhof der Namenlosen

ist die wohl ungewöhnlichste und älteste Einrichtung auf der Düne. Eingebettet in das Dünengras der östlichen Inselhälfte, ist er heute eine gepflegte Ruhestätte, die den Charakter eines christlichen Friedhofes trägt -und doch keiner ist. Der Friedhof der Namenlosen entstand zu einer Zeit, als rund um Helgoland die Schiffe in großer Zahl strandeten und mancher unbekannte Seemann tot an den Strand gespült wurde. Da die Herkunft und Verwandtschaft dieser Toten meist nicht festgestellt werden konnte und damit auch die Gebühren für den Pastor nicht erlegt wurden, grub man sie an einer Stelle auf der Düne ein, die fortan den Namen Friedhof der Namenlosen trug. Diese Stätte ist heute kultiviert und trägt zwei Gedenksteine. Der eine ist ein Sandsteinmonument mit einem Gedicht zur Erinnerung an die namenlosen Toten. Der andere ist ein Basaltsteinblock zur Erinnerung an die drei Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland, die im Dienste der Erforschung des Meeresgrundes ihr Leben lassen mussten. Das Territorium wird beherrscht von einer schweren Friedensglocke. Sie ist eine Stiftung zur Freigabe Helgolands am 1. März 1952 und trägt die Inschrift: Weer drenn lip Lunn! [ Wieder daheim auf Helgoland !]

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